Streckenfliegen am Stoderzinken
In den Prognosen zeichnete sich seit mehreren Tagen ein guter Streckenflugtag am Samstag, den 02. Mai 2026 ab. Das ursprüngliche Ziel, der Hochfelln, war dann am Vortag nicht mehr so gut vorhergesagt, da die lange und trockene Hochdruckphase die frühe Thermikentwicklung im Alpenvorland bremst. Daher wurde spontan auf den Stoderzinken umgeplant. Angesagt war ein früher Thermikbeginn, kaum Wind und ausschließlich Blauthermik. Vom GSC waren dabei Britta, Andi A., Dominik und Markus.
Das Fluggebiet Stoderzinken:
Der Stoderzinken liegt in der Steiermark in der Region Dachstein / Schladming. Erreichbar sind die beiden Startplätze über die Mautstraße am Gröbming bis zu den Gipfelrestaurants. Von dort aus geht es zu Fuß zum unteren Startplatz (ca. 8 Minuten) oder zum oberen Startplatz (ca. 35 Minuten). Der Weg führt zuerst auf der Straße, dann als anfangs flacher Steig zum unteren Startplatz mit Drachenrampe. Dort vorbei zieht sich der Steig durch die Latschenfelder weiter, wird allmählich steiler und teilweise treppenartig. An einigen kurzen Stellen muss man sich auch mit den Händen abstützen, um zwischen den Felsen hindurch zu kommen. Oben angekommen erstreckt sich ein großes Wiesen-Plateau, das viel Raum für die Startvorbereitungen gibt. Startmöglichkeiten gibt es in alle Richtungen (W, N, SO, S), wobei die Streckenflieger sich normalerweise nur für die SO und S-Richtung interessieren. Durch die besondere Ausrichtung nach Ost-Südost ist hier früh mit Thermik zu rechnen. Die große Starthöhe von 2.000 Meter ermöglicht oft einen Thermikeinstieg ab 9:15Uhr.
Der Tag:
Die Flugschule Sky Club Austria ist vor Ort und organisiert an guten Streckenflugtagen die Auffahrt. An diesem Tag wurden zwei Shuttlezeiten angeboten. Gewünscht wurde, dass man sich über eine Whatsapp-Umfrage für eine Abfahrtszeit anmeldet. Auch wurde über diesen Kanal weitere Informationen verbreitet. Zur Auswahl standen 7:00 und 8:45 Abfahrt. Die meisten ambitionierten Streckenflieger haben das frühe Shuttle gebucht und so traf man sich um 6:15 an der Flugschule zum Busticketverkauf. Der Reisebus und die beiden Shuttlebusse der Flugschule waren nahezu vollständig mit den 80 Piloten besetzt. Als das Ende der Mautstraße erreicht wurde schulterten alle das Gepäck und machten sich auf den Weg zum oberen Startplatz. Dort angekommen wurden gleich die Schirme und Gurtzeuge vorbereitet, um schnell und geordnet starten zu können. Leider ließ die Thermik etwas auf sich warten. Als um 10 Uhr dann die ersten verlässlichen Blasen am Startplatz vorbeizogen sind die ersten Piloten rasch gestartet. Zu dieser Zeit kamen gerade die ca. 50 Piloten an, die mit den späteren Shuttles gefahren sind, um sich auch bald in die Luft zu begeben.
Um kurz nach 10 ging es für mich auch in die Luft. Anfangs war die Thermik noch sehr blasig und zyklisch. Einige Top-Piloten und einheimische Cracks bildeten mit mir die Vorhut und so arbeiteten wir uns gemeinsam in den inkonstanten Bedingungen Stück für Stück am Dachsteingletscher entlang Richtung Westen. Nur nicht zu tief kommen war das Motto. Dies gelang bis zum Roßbrand sehr gut. Dieser ist allerdings nur knapp 1800 Meter hoch und hat schon manchen Streckenflug früh beendet. Gemeinsam und mit der nötigen Geduld schaffte ich den Roßbrand, anschließend das Hochgründeck und den Sprung über Mühlbach zum Hochkönig. Dort angekommen wurde endlich die Thermik stärker, vorhersehbarer und ortsfest. Somit ging es mit 2/3 Beschleuniger im Delfinstil an den Flanken entlang, gedreht wurde nur noch, wenn es absolut notwendig war. Auch die Querung über Unken zum Sonntagshorn und weiter zur Hörndlwand waren bei einer Basis von 3.800 Metern ein Genuss. Die Uhr zeigte schon 14:15 für ein 300 km FAI-Dreieck de facto 45 Minuten zu spät. Also umdrehen, eine gute Linie finden und mit maximaler Geschwindigkeit Richtung Alpenhauptkamm. Der Rückweg ging gut, die Westhänge trugen gut und so flog ich über Maria Alm quer über das Pinzgau ins Rauris. Am Alpenhauptkamm war die Basis ebenfalls bei 3.800 Metern, 200 Meter zu tief für einen Sprung über den Alpenhauptkamm nach Mallnitz im Mölltal und zurück. Dadurch war das große Dreieck endgültig nicht mehr realisierbar, also wenden und in aller Ruhe und mit Genuss zurück Richtung Stoderzinken. Nächste Thermikquelle ist üblicherweise der Gamskarkogel im Gasteinertal. Dieser lieferte die erwartungsgemäße gute Thermik. Als diese nicht bei 3.800 Meter schwächer wurde, nahm ich mir die Zeit, um diese bis zum Ende bei 4.000 Metern auszudrehen, den 360°-Rundumblick vom Chiemsee bis in die Dolomiten zu genießen und auf Großglockner und Großvenediger herabzuschauen. Dann ging es weiter mit „Rippenspringen“, sprich immer den höchsten Punkt der jeweiligen Bergrücken westseitig anfliegen, aufdrehen, und weiter zur nächsten Rippe. Mit untergehender Sonne glitt ich dann noch aus um am Landeplatz bereits empfangen zu werden.
Was bleibt:
- Der Stoderzinken ist ein zugängliches Fluggebiet für alle Streckenfluginteressierten
- Die hervorragende Organisation vom Sky Club Austria, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der steierischen Locals
- Die Eindrücke des 360°-Panoramas ohne sichtbehindernde Wolken
- Die Bewunderung für Lex Robé, der diese Route über Jahre erforscht und entwickelt hat, sich erfreut, dass über 100 Piloten zum Stoderzinken kommen und Freude haben und abends dann die Getränke für alle in der Pizzeria übernimmt
- Eine Dreiecksroute, bei der man im Normalfall immer Rückenwind hat
- Die FASTZINATION, wie weit man mit 25 m² Plastikfolie, 2 Litern Wasser und 6 Müsliriegeln kommt
In Zahlen:
- Platz 3 in der Bundesligawertung Dank vieler guter Flüge von Vereinsmitgliedern
- Platz 2 im DHV-XC und Platz 10 im XContest (weltweit) für mich an diesem Tag
- Flugdetails https://de.dhv-xc.de/flight/2220406
Fotostory von Lex: https://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:Lex/2.05.2026/08:02










